Dienstag, 13. Februar 2007

Deutsche Anführungszeichen

Silvie erwähnte gestern, dass ihr von mehreren Seiten aus angehalten worden seid, immer deutsche Anführungszeichen, d.h. „ “, zu verwenden. Dieses Thema ist der Büchse der Pandora nicht unähnlich. Ich sehe das so:

- KLARER FALL: In für den Druck bestimmten Dokumenten (Handbüchern, Marketingmaterialien usw.) sollten immer deutsche Anführungszeichen verwendet werden. Das gilt auch für alle eure Hausaufgaben.

- NICHT SO KLAR: Auf Webseiten findet man alles mögliche - deutsche Anführungszeichen, gerade Anführungszeichen, geschweifte englische Anführungszeichen. Verkompliziert wird das ganze dadurch, dass v.a. ältere Browserversionen nur gerade Anführungszeichen unterstützen. Persönlich würde ich auch auf Webseiten deutsche AFZ verwenden, aber es kann durchaus sein, dass ein Kunde spezifische Vorgaben hat, also im Zweifelsfall nachfragen.

- ÜBERHAUPT NICHT KLAR: Softwarelokalisierung. Hier IMMER nachfragen, welche Anführungszeichen verwendet werden können und wie diese einzugeben sind.

Je nachdem, wie der Programmcode geschrieben ist, können normale doppelte AFZ (d. h. " ") als Trennzeichen verwenden werden. Beispiel:

POPUP "&View"
BEGIN
MENUITEM "View &File menu", ID_VIEW_FILE_MENU
MENUITEM "View &Edit menu", ID_VIEW_EDIT_MENU
MENUITEM "View &Tools menu", ID_VIEW_TOOLS_MENU

Wenn in den übersetzten Strings zusätzliche doppelte AFZ verwendet werden, funktioniert der gesamte Code nicht mehr.

Falsch:

POPUP "&Ansicht"
BEGIN
MENUITEM "Menü "&Datei" anzeigen", ID_VIEW_FILE_MENU
MENUITEM "Menü "&Bearbeiten" anzeigen", ID_VIEW_EDIT_MENU
MENUITEM "Menü "&Extras" anzeigen", ID_VIEW_TOOLS_MENU


In solchen Fällen gibt es in der Regel folgende Alternativen (manchmal, aber nicht immer, funktionieren alle drei):

- Zusätzliche doppelte Anführungszeichen DOPPELT eingeben ("" "")
- Doppelten Anführungszeichen einen umgekehrten Schrägstrich voranstellen (\" \"); im Englischen wird das als "escaping the quotes" bezeichnet
- Einfache Anführungszeichen verwenden (' '); dies führt aber dazu, dass in der Benutzeroberfläche lediglich einfache AFZ erscheinen, die ich persönlich für häßlich halte

Im Beispiel oben wären also folgende korrekte Lösungen denkbar:

POPUP "&Ansicht"
BEGIN
MENUITEM "Menü ""&Datei"" anzeigen", ID_VIEW_FILE_MENU
MENUITEM "Menü ""&Bearbeiten"" anzeigen", ID_VIEW_EDIT_MENU
MENUITEM "Menü ""&Extras"" anzeigen", ID_VIEW_TOOLS_MENU

POPUP "&Ansicht"
BEGIN
MENUITEM "Menü \"&Datei\" anzeigen", ID_VIEW_FILE_MENU
MENUITEM "Menü \"&Bearbeiten\" anzeigen", ID_VIEW_EDIT_MENU
MENUITEM "Menü \"&Extras\" anzeigen", ID_VIEW_TOOLS_MENU

POPUP "&Ansicht"
BEGIN
MENUITEM "Menü '&Datei' anzeigen", ID_VIEW_FILE_MENU
MENUITEM "Menü '&Bearbeiten' anzeigen", ID_VIEW_EDIT_MENU
MENUITEM "Menü '&Extras' anzeigen", ID_VIEW_TOOLS_MENU

Verwirrt? Ich manchmal auch!!!

Gerhard

13. Februar, 9.30 Uhr

Bin eben mit dem Beantworten der wichtigsten E-Mails des Tages fertig geworden. Das dauert jeden morgen zwischen 45 Minuten und einer Stunde, je nachdem wie viele Projekte ich manage. Diese linguistischen Reviews sind vom PM her sehr aufwändig. Eines unserer Projekte geht in 14 Sprachen, d.h. wir müssen mit 14 Reviewern kommunizieren UND mit unseren Ansprechpartnern beim Kunden...

Noch dazu kommt, dass ich viele E-Mails erhalten, die mich eigentlich nicht tangieren. Viele Leute verwenden den CC:-Button zu oft bzw. falsch. Ich will nicht über alles informiert werden, was intern bei Kunden so los ist :-) Aber das nur am Rande...

Erste produktive Aufgabe des Tages: Korrekturlesen einer Übersetzung von Sabine. Es geht um neue Produkte der Firma CamelBak: Trinkflaschen, Backpacks usw. Sabine macht dieses Marketing-Gelabere besser als ich. Oft bricht man sich einen ab, vor allem bei so was:

Never look back.
We’ve all heard it before.
Well, it’s bogus.
To innovate and break new ground, you have to know what’s been done.
Understand your limits.
Consider the elements.
Then step out of the back gate, drop in, and do something that’s never been done.
At the bottom, look back and marvel at what you did.
Just for a moment.
Cool.
Now go for more.
Look where we started.
Look where we are.
And we’re going for more.

Unsere Lösung:

Nie den Blick zurück werfen.
Das haben wir schon oft gehört.
Aber stimmt das?
Um Innovationen zu entwickeln und neues Terrain zu betreten, musst du wissen, was vorher war.
Deine Grenzen verstehen.
Dir der Elemente bewusst sein.
Dann kannst du die Piste verlassen und etwas tun, was vor dir noch keiner getan hat.
Wenn du unten angekommen bist, wirf einen Blick nach oben und freu dich an dem, was du geschafft hast.
Nur einen Augenblick lang.
Cool.
Und dann mach weiter.
Schau, wo du begonnen hast.
Schau, wo du jetzt bist.
Das ist erst der Anfang.

Selbst daran könnte man noch lange feilschen. Aber in der Realität ist dafür oft wenig Zeit. Kunden wollen immer alles sofort, am besten gestern.

Gerhard

Montag, 12. Februar 2007

12. Februar

Eine meiner Aufgaben seit fast zwei Wochen: In einem 900-seitigen Handbuch die Formatierungsfehler korrigieren, die sich durch die Bearbeitung mit Trados eingeschlichen haben - und das in sechs Sprachen (DE, ES, FR, IT, NL und PT). Das ist ein Auftrag, den wir für eine andere Übersetzungsagentur machen, die keine Kapazitäten dafür frei hatte. Sabine und ich arbeiten ab und zu mit anderen kleineren Agenturen zusammen, nach dem Motto "eine Hand wäscht die andere". Im Prinzip ist das das gleiche wie Übersetzer, die sich untereinander einen Gefallen tun, aber natürlich gegen Bezahlung.

Ich weiß nicht, wie viel praktische Erfahrung ihr mit Trados habt, aber vor allem bei der Übersetzung mit der Trados Workbench in Word (im Gegensatz zur Arbeit im TagEditor, der eine autonome Übersetzungsumgebung bildet und deshalb nicht von den Eigenheiten von Word abhängig ist) kommt es häufig zu Formatierungsproblemen. Keiner weiß genau, ob das die Schuld von Word oder der Workbench ist - wahrscheinlich liegt es an beiden. Auf www.proz.com könnt ihr langwierige Diskussionen zu diesem Thema lesen.

Dieses Handbuch enthält sehr viele Lesezeichen und blau dargestellte Hyperlinks, die zu Navigationszwecken auf diese Lesezeichen verweisen. Nach dem Cleanen der Dateien stellte sich heraus, dass viele dieser Lesezeichen und Hyperlinks (und oft auch die blaue Farbkodierung) verschwunden waren. Ich musste deshalb alle Dateien einzeln durchgehen und die verloren bzw. kaputt gegangene Formatierung wiederherstellen. Das dauerte ewig und war ziemlich anstrengend, weil ich wahnsinnig aufpassen musste. Aber heute morgen wurde ich endlich mit der letzten Sprache, Holländisch, fertig. Jetzt müssen wir warten, bis der Kunde die lokalisierten Screenshots liefert, dann müssen diese in die einzelnen Handbücher reinkopiert werden. Ca. 250 Screenshots pro Sprache, das wird auch wieder einige Tage dauern.

Mit dem Übersetzen hat so was nicht viel zu tun, weil es jeder, der sich einigermaßen mit Word auskennt, hätte machen können. Aber es zeigt, dass man als Übersetzer nicht nur durch das reine Übersetzen Geld verdienen kann, sondern auch mit Zusatzleistungen. Je mehr ihr einem Kunden bieten könnt, desto attraktiver seid ihr als Auftragnehmer. Wenn ihr einer Agentur euer Résumé schickt, solltet ihr unbedingt angeben, mit welchen Softwareanwendungen ihr vertraut seid und welche anderen Aufgaben ihr noch übernehmen könnt.

Willkommen

Hallo ihr! Willkommen bei unserem Blog. Das ist mein allererster Blogging-Versuch und ich muss zugeben, dass ich mir ein bisschen komisch vorkomme. Eigentlich schreibe ich das nur für euch vier, aber im Internet weiß man nie, wer was sieht - vor allem, weil dieser Blog ja öffentlich zugänglich ist.

Also, ich will versuchen, jeden Tag ein paar Einträge zu machen, damit ihr einen besseren Eindruck davon erhaltet, was Übersetzer (und Projektleiter) so alles tun.

Die ersten 10 Jahre nach meinem Abschluss am MIIS 1987 (M.A. in T&I German) arbeitete ich als freiberuflicher Übersetzer für Übersetzungsagenturen in den USA. Anfänglich übersetzte ich alles, was mir angeboten wurde - von Patenten zu Vorhangstangen bis hin zu medizintechnischen Geräten. Im Laufe der Zeit erhielt ich immer mehr Aufträge aus der Softwarebranche, so dass sich ganz natürlich eine Spezialisierung auf SW-Lokalisierung und -Dokumentation entwickelte. Vor ungefähr zehn Jahren schloss ich mich dann mit einer anderen Übersetzerin, Sabine Hathaway zusammen, um auch größere Aufträge zu übernehmen, die für einen einzelnen Übersetzer zu umfangreich gewesen wären, und daraus entstand dann unsere Firma Localizers LLC (www.localizers.com).

Als kleine (SEHR kleine) Boutique-Agentur können (und wollen) wir nicht mit den großen Agenturen wie SDL und Lionbridge konkurrieren. Wir sehen unsere Stärke eher in unserer Flexibilität und unserem Kundenservice - gerade in diesen Aspekten sind wir den großen Agenturen mit ihrer inhärenten Bürokratie und Hierarchie einen großen Schritt voraus. Neben Übersetzung machen wir auch viel "linguistic review", d.h. wir überprüfen bereits lokalisierte Softwareanwendungen und machen terminologische und stilistische Verbesserungsvorschläge. Für mehrere Kunden sind wir sogar ganz für die Terminologieverwaltung zuständig.

Ich persönlich mache eigentlich alles, was gemacht werden muss: Übersetzen (EN-DE und DE-EN, letzteres allerdings wegen der geringeren Nachfrage eher selten), Korrekturlesen, Vor- und Nachbearbeitung von Dateien, Bearbeitung von Grafiken und DTP (jeweils in allen von uns unterstützten Sprachen). Es ist lustig, ein japanisches Dokument zu formatieren, das kann ich auch sagen!!! :-)

So, jetzt habt ihr einen besseren Einblick in unsere kleine Firma. Nach dem Mittagessen beschreibe ich, woran ich zur Zeit arbeite.

Gerhard